Tegernsee – Gardasee (2006)

Alpencross Tegernsee – Gardasee

6 Tage – 440 Km – 12500 Hm

„Bei einer Alpenüberquerung gibt es keine Flachetappen“

Teilnehmer: Robert Göricke, Christian Nikolaus, Uwe Nikolaus

1. Tag : Tegernsee – Valepp – Zillertal – Breitlahner
106 Km; 1900 Hm; 6h 10 min.

2. Tag : Breitlahner – Pfitscherjoch – Pfundererjoch – Mühlbach
74 Km; 2300 Hm; 5h 50 min.

3. Tag : Mühlbach – Lüsen – Brogles Alm – St. Ulrich
60 Km; 2300 Hm; 5h 10 min.

4. Tag: St. Ulrich – Seis – Völser Weiher – Tiers – Welschnofen
43 Km; 2000 Hm; 4 h 15 min.

5. Tag : Welschnofen – Lavaze Joch – Cavalese – Manghenpass – Levico
95 Km; 2570 Hm; 6 h 10 min.

6. Tag: Levico – Folgaria – Rovereto – Torbole
60 Km; 1300 Hm; 3 h 50 min.

1. Tag : Tegernsee – Valepp – Zillertal – Breitlahner

106 Km; 1900 Hm; 6h 10 min.

Endlich war er da – der Tag an dem wir uns vornahmen die Alpen zu überqueren. Wir trafen uns um 8 Uhr am Ingolstädter Hauptbahnhof und fuhren über München zum Tegernsee.

11:00 Uhr, Start am Bahnhof Tegernsee.
Die ersten Kilometer waren uns schon von früheren Touren bekannt, deshalb war die Orientierung kein Problem. Deshalb sparte Uwe, der nicht zu viel mitnehmen wollte und trotzdem den schwersten Rucksack hatte (10,5 kg), sogar an der ersten Landkarte, die wir für die Gegend um den Tegernsee gebraucht hätten.
Nach nicht einmal einer Stunde Fahrt, machten wir an der Moni-Alm schon den ersten Halt – Mittagspause. Robert und Chris genehmigten sich das Tagesmenü, Spaghetti Bolognese. Uwe, der schon im Zug einen Teil seiner Brotzeit verdrückt hatte, begnügte sich mit einer Suppe, was im späteren Tagesverlauf zu Gerüchten über falsche Ernährung führte.
Pünktlich nach der Mittagspause regnete es leicht, so dass wir das erste Mal die Regenhüllen über unsere Rucksäcke ziehen mussten. Weiter ging´s über Valepp Richtung Erzherzog Johann Klause. Auf diesem Weg trafen wir auf einige Tagestouren-Biker. Gestärkt vom Mittagessen ließen wir die meisten von ihnen rechts stehen. Chris hatte seine Krokodil-Hupe dabei und so reichte ein kurzes quietschen mit der Hupe und es folgte ein überraschter bis genervter Blick der anderen, die dann aber doch Platz machten, nachdem sie sahen mit welchem Tempo Chris ankam und das zum Teil mit der Videokamera in der Hand. In Richtung Kaiserhaus verlief der Weg ohne nennenswerte Höhenmeter weiter und so waren wir um 14.00 Uhr schon im Inntal. Dort wurde der Regen aber heftiger und wir mussten uns einigermaßen regendicht einpacken. Bei Brixlegg bogen wir in das Zillertal ein und fuhren auf dem Radweg, der nach dem österreichischen Radrennfahrer Georg Totschnig benannt war, bis nach Mayerhofen. Von der Aussicht hatten wir recht wenig, weil es ca. drei Stunden lang durchregnete und die Berge von Wolken verhangen waren. Uwe, dessen Motivation durch dieses deprimierende Wetter nachließ, sah jedes Mal wehmütig der talaufwärts fahrenden Zillertal Bahn nach. Ob er vielleicht mit dem Gedanken spielte schon am ersten Tag ein paar Kilometer motorisiert zurück zulegen – wer weiß das schon? In Mayerhofen hatten wir bereits 85 km und 1300 hm hinter uns gebracht. Weil aber gerade zu der Zeit wieder einige blaue Flecken am Himmel zu erkennen waren setzten wir unsere Etappe wie geplant fort und fuhren noch weitere 500 hm Richtung Süden zum Gasthof Breitlahner, wo wird um 18.30 Uhr schließlich durchnässt und hungrig ankamen. Hier bezogen wir unser Zimmer und ließen das Programm, das in den nächsten Tagen zur Routine werden sollte, ablaufen. Räder abstellen, Zimmer beziehen, der Reihe nach duschen, Wäsche waschen und einigermaßen trocknen, Essen gehen und dann ab ins Bett.

2. Tag : Breitlahner – Pfitscherjoch – Pfundererjoch – Mühlbach

74 Km; 2300 Hm; 5h 50 min.

9:30 Uhr, Start am Gasthof Breitlahner
Heute standen gleich zwei Klassiker auf dem Programm – das Pfitscher und das Pfunderer Joch.
Nach dem zusammen packen war schon der erste Verlust zu verzeichnen – Robert fand seine Brille nicht mehr. Aber die Sonne sollte sowieso noch bis Nachtmittag auf sich warten lassen.
Ein paar Meter nach dem Gasthof Breitlahner bogen wir von der Teerstraße, die zum Schlegeispeicher führt, auf den parallel verlaufenden Bikeweg ein. Die letzen Kilometer vor dem Schlegeis Stausee mündete dieser Weg wieder auf der Teerstraße, auf der aber kaum Verkehr war. Das Wetter war noch immer etwas ungemütlich und kühl. Wir fuhren auf unserer Route weiter Richtung Pfitscher Joch. Nach einem Kitsch-Kiosk ging es auf Schotter weiter. Wir mussten zwar immer wieder an technisch schweren Stellen absteigen und ein paar Meter schieben, aber zum Großteil war der Weg doch fahrbar. Die letzten 200 hm waren dann sogar wieder breiter Schotterweg. Oben am Pfitscher Joch war dann schon der Übergang von Österreich nach Italien. Die 15 km lange Abfahrt vom Pfitscher Joch verlief über breite Schotterwege. Gegen Mittag waren wir in dem kleinen Ort St. Jakob, wo wir uns bei herrlichem Sonnenschein – man merkt sofort dass wir in Italien sind – mit Nudeln für das kommende Pfunderer Joch stärkten. Nach der Mittagspause rollten wir weiter talabwärts und bogen in der Ortschaft Fussendrass links ab. Der Weg zum Pfunderer Joch führte uns zunächst auf über 20% steilen Schotterwegen, dann auf Waldwegen hinauf zum Pfunderer Joch auf 2500 Meter. An diesem Anstieg fuhr jeder sein Tempo und machte irgendwann eine Pause um auf die anderen zu warten. Kurz nach der Baumgrenze machte es sich Uwe auf eine Bank gemütlich und legte die Füße hoch. Nach fast 15 Minuten kamen Chris und Robert ratschend und das Bike schiebend in aller Ruhe an. Und weiter ging´s – keine Standzeiten! Auf einer Höhe von 2000 Metern war ein Bach auf einer kleinen Brücke zu überwinden, die nur aus einer Steinplatte bestand, die auf zwei Ästen lag. Robert hatte hier schon einen Vorsprung und war einige Höhenmeter weiter oben zu sehen. Demnach musste diese Konstruktion anscheinend stabil genug sein und wir schoben auch vorsichtig drüber.
Zum Ende hin mussten wir immer öfter schieben. Uwe versuchte zwar so viel wie möglich zu fahren, aber das dauernde Aufsteigen (und zu anderen Seite runter kippen) war wohl anstrengender als in einem ruhigen Rhythmus zu schieben. Auf dem Joch ging ein heftiger Wind. Wir zogen uns schnell etwas wärmer an und rollten weiter. Von hier oben aus konnten wir schon den ersten Blick auf die blanken Felsen der Dolomiten genießen – die sollten wir in den folgenden Tagen dann auch aus der Nähe bewundern können. Jetzt folgte ein Traumtrail über ca. 500 hm bergab zur Weitenbergalm. Gleich am Anfang machte Chris einen Abflug über den Lenker, war aber gleich wieder bei uns und hatte keine größeren Verletzungen. In dem Buch Transalp von Uli Stanciu war zu diesem Trail zu lesen „Könner werden ihn lieben, alle anderen verfluchen“. Das können wir bestätigen – wir liebten ihn! Am unteren Ende des Trails trafen wir auf eine Gruppe Frauen, die sich auch einen Alpencross antun wollten. Diese konnten wir schon von weiter oben beobachten und sehen, dass die armen Mädels fast alles bergab geschoben hatten. Kurz vor dem Ende des Trails trafen wir auf die Weitenbergalm, in der gerade die Kühe in den Stall getrieben wurden, deshalb konnten wir nicht sofort durchfahren, sondern mussten kurz warten, bis wir von der Sennerin durchgeleitet wurden.
Die weitere Abfahrt verlief auf Schotterwegen und danach auf einer Teerstraße bis ins Pustertal nach Vintl. Auf dem Radweg fuhren wir weiter bis Mühlbach. Hier residierten wir direkt am Marktplatz in dem *** Hotel Seppi.

3. Tag : Mühlbach – Lüsen – Brogles Alm – St. Ulrich
60 Km; 2300 Hm; 5h 10 min.

Nach den zwei ersten Tagen, die recht intensiv waren, wurde die Anfrage an den Guide herangetragen, ob wir nicht etwas flacher fahren, oder einen Berg auslassen, könnten.
Also stellte Uwe die Tour etwas um und schrieb jeweils am Vorabend ein Roadbook mit den wichtigsten Orten. Festzuhalten war noch ein Satz, der auf dieser Tour irgendwie immer präsent war: „Auf einer Alpenüberquerung gibt es keine Flachetappen“. Das mussten, nach kritischem Blick in die Karten auch die anderen beiden einsehen.
Doch zurück zur Tour: Durch das umstellen konnten wir von der ursprünglichen Route etwas abweichen und den Alpencross etwas direkter fahren. Geplant war der Alpencross mit dem PC-Programm Transalp, dessen Schwäche ist leider, dass man vorgefertigte Etappen wählen muss, die natürlich nicht alle Variationen abdecken können.
Bei der heutigen Etappe hatten wir durch das umplanen, den Schlenker nach Brixen umgangen, blieben etwas abseits der Zivilisation und fuhren auf direkterem Weg über Rodeneck nach Lüsen. In den letzen Tagen war das navigieren noch kein Problem, da wir uns immer in recht großen Tälern und über hohe Joche bewegten. In den nächsten Tagen hatte Uwe etwas mehr Mühe, weil es mehr kleine Anstiege und Abzweige zu finden galt.
Von Lüsen fuhren wir weiter nach St. Nikolaus, leider sahen wir nur ein paar vereinzelte Häuser und weit und breit kein Ortsschild. An einem Brunnen vor der Kirche tankten wir noch mal frisches Wasser und dann ging es durch ein moderat ansteigendes Tal zur Kalkofenalm auf 1700 Meter. Hier füllten wir, umrahmt von Peitlerkofel und Ringspitz, die verlorenen Kalorien nach. Direkt nach dem Mittagessen standen aber noch 200 Höhenmeter an. Danach rollten wir zuerst auf der Teerstraße, dann auf einem grobschotterigen Trail hinunter nach St. Magdalena.
In der Nähe der St. Johann Kapelle oberhalb von Villnöß, die viele von Postkartenmotiven kennen dürften, war die Luft schon ziemlich raus und wir versuchten dort ein Quartier zu bekommen. Da diese Bemühungen erfolglos waren mussten wir den Weg zur Broglesalm antreten. Die ersten 400 hm konnten wir noch fahren, die weiteren 400 mussten wir schieben.
An dieser Stelle muss noch etwas zum Schuhwerk der Teilnehmer gesagt werden. Die Strategie von Chris war – Raceschuhe für´s fahren und schieben. Robert wählte MTB-Schuhe mit breiterem und grobem Profil, mit denen man auch gut gehen kann. Uwe, der beim letzten Alpencross seine Raceschuhe geliefert hatte, entschied sich für Raceschuhe und Laufschuhe, in die er vor einer Tragepassage schnell reinschlüpfte und so die Raceschuhe schonen konnte.
Um 17:00 Uhr kamen wir an der Broglesalm auf 2050 Meter an. Jetzt folgte der zweite längere Trail unserer Alpenüberquerung. Er verlief über 800 hm am Stück hinunter nach St. Ulrich. Hier war von allem etwas geboten. Anfangs fuhren wir über einen sanften Wiesentrail der in einen Waldtrail mit Wurzeln überging. Dann nahmen wir noch typische Dolomitenbrocken, eine Durchquerung eines ausgetrockneten Bachbettes und moorartige Wiesen unter die Reifen. A Traum !!! – vor allem mit viel Federweg und grobstolligen Reifen!!!

In St. Ulrich suchten wir wieder nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Während wir uns an einer Infotafel über freie Gasthöfe informierten, wurden wir von jemandem angesprochen, der uns seine Pension anbot. Weil wir nicht mehr viel suchen wollten nahmen wir dieses Angebot an und fuhren ihm nach. Im Ortsteil St. Peter kamen wir schließlich an und standen plötzlich vor einem Gebäude, das mit der Abbildung an der Infotafel, wenn überhaupt, nur die Stockwerke gemeinsam hatte.

4. Tag: St. Ulrich – Seis – Völser Weiher – Tiers – Welschnofen

43 Km; 2000 Hm; 4 h 15 min.

Der gestrige Tag wurde trotz der Abkürzung recht lang, und so nahmen wir uns vor, es heute aber wirklich etwas langsamer anzugehen. Wir ließen das Highlight Seiser Alm aus und umfuhren den Schlern, wodurch wir ca. 800 Höhenmeter sparten.
Es muss wohl die Flucht vor der letzen Unterkunft und die Vorfreude auf ein zweites Frühstück gewesen sein, die Chris auf der Hauptstraße, das Grödnertal hinab Richtung Waidbruck, so schnell werden ließ, dass er und Robert den Abzweig nach Kastelruth verpassten. Das eigentliche Frühstück war eher mager ausgefallen. Es gab trockene oder wahlweise schwammige Semmeln und Marmeladen.
Nach fast einer halben Stunde kamen die beiden dann doch wieder zu dem Abzweig hoch geradelt, wo Uwe die Südtiroler Sonne genoss und wartete.
Wir fuhren dann ein Nebental hinauf nach Kastelruth und machten in einem Vorort unser zweites Frühstück. Wir bestellten alle die Empfehlung des Hauses – „Bauandouscht“, ein getoastetes Vinschgauer Brot mit Schinken, Käse und Salami. Dazu gab es Ketchup und Majo. Robert gab sein Majo ab und Uwe verdrückte das Bauandouscht samt doppelter Portion Majo.
Nach diesem kalorienreichen Zwischenstopp fuhren wir direkt unterhalb des Schlern nach Seis. Hier wurden wir von Touristen fast erdrückt. Wir machten nur einen kleinen Stopp zur Orientierung und verschwanden wieder auf einem Trail, der am Hang entlang bis zum Völser Weiher verlief. Bei einem Downhill bohrte sich Chris in den Waldboden und bescherte seiner Krokohupe eine dreckige Schnauze.
Unser nächstes Ziel war der Gasthof Schönblick. Hier machten wir Mittag und genossen den Blick auf die Berge im westlichen Südtirol. Auf der Terasse machten gerade auch einige Tourenbiker mit 28 Zoll Rädern Pause. Diese trafen wir später ganz verängstigt vor dem nächsten Trail wieder.
Nach dem Mittagessen wollten wir auf direktem Weg hinunter nach Tiers. Ein einheimischer Rentner gab uns aber einen Tipp, dass es auch einen Weg gibt, der zuerst am Hang entlang läuft und erst dann nach Tiers runter geht. Das war wieder ein Highlight auf unserem Alpencross – er war sehr anspruchvoll, vor allem weil er mit einigen engen Kehren gespickt war, in denen man gut balancieren musste. Zum Schluss kam noch ein kurzer Schock. Uwe und Robert waren schon unten und warteten auf Chris. Als der runter kam wollte er geradeaus auf eine schmale betonierte Brücke weiter fahren. Genau in der Mitte fehlte aber eine Betonplatte und das war kaum zu sehen, weil die Brückenpfeiler die gleiche Farbe hatten wie der Belag – das wäre beinahe ungut ausgegangen.
Wir fuhren nach Tiers und mussten nun auf der anderen Seite des Tales über den Berg, um nach Welschnofen zu kommen. Die ersten zwei Kilometer stimmten noch mit der Karte überein, dann stimmte gar nichts mehr. Weil aber zumindest die Hütten, die oben am Berg waren, ausgeschildert waren blieben wir auf dem Weg. Das endete in einer ca. 300 hm langen Schiebe- und Tragepassage, weil der Weg immer schmaler und steiler wurde.
Irgendwann kamen wir dann doch oben an und fuhren auf einer steilen Schotterstraße bergab nach Welschnofen. Das trieb unsere Bremsen immer wieder an ihre Grenzen, weil wir immer vor quer verlaufenden Wasserabläufen abbremsen mussten.
In Welschnofen suchten wir über die Touristinfo eine Übernachtungsmöglichkeit. Vorher versuchten wir es eine zeitlang auf eigene Faust, das brachte uns aber unnötige 6km und 200 hm ein, weil wir in der Ortschaft auf und ab irrten. Diese Unterkunft war zwar auch recht einfach aber immerhin war das Frühstück am nächsten Tag richtig gut. Abends war in dem kleinen Ort so richtig was los. War wohl so eine Art Dorffest – Kinder liefen als Zwerge verkleidet rum. Das muss wohl irgendwas mit dem Rosengarten und König Laurin zu tun gehabt haben. Aber wir konzentrierten uns darauf unsere echte Holzofen Pizza zu verspeisen.

5. Tag : Welschnofen – Lavaze Joch – Cavalese – Manghenpass – Levico

95 Km; 2570 Hm; 6 h 10 min.

Heute war wieder kurbeln angesagt. Wir kamen erst um kurz vor 10:00 Uhr los und verfuhren uns gleich nach den ersten Kilometern weil uns das gleiche Schicksal wie gestern ereilte. Ein Weg, der auf der Karte zwar eingezeichnet war, verlief nach ein paar hundert Metern ganz anders als er sollte. Aber es kam noch schlimmer als gestern, denn dieser Weg wurde nachdem wir zum Teil schieben mussten, immer schmaler und hörte plötzlich ganz auf. Genervt fuhren wir wieder zurück zur nächsten Straße und hatten so etwa eine Stunde verloren und ca. 300 hm umsonst gefahren und geschoben.
Wir beschlossen die nächsten Kilometer auf der Straße zurück zulegen. Dies war aber die Hauptstraße zwischen Bozen und Cavalese, und so rauschten regelmäßig Autos und LKWs an uns vorbei. Deshalb bogen wir auf einen parallel verlaufenden Schotterweg ab, der auch rauf auf das Lavaze Joch führte. Wegen den hohen Preisen zögerten wir unsere Mittagspause noch etwas hinaus und fuhren auf der Straße 20 km lang bergab nach Cavalese, wo wir uns in einer Pizzeria ein paar Pizzaschnitten holten.
Nach dieser Stärkung fuhren wir weiter bergab nach Molina und standen nun vor einem 1.300 Höhenmeter Anstieg zum Manghenpass. Diese schmale Teerstraße war zwar wegen ihrer geringen Steigung gut zu fahren, aber zog sich Kurve für Kurve schier endlos bis auf 2.050 Meter hinauf. Auf der anderen Seite des Passes führte ein ähnlicher Weg bergab ins Valsugana nach Borgo. Auf dem gut ausgeschilderten Radweg fuhren wir noch weitere 20 km durch Obstplantagen bis in den Kurort Levico Terme wo wir in einem ***Hotel übernachteten. Diesmal hatten wir sogar Telefon und Fön auf dem Zimmer.
Bei geselliger Runde und ein paar Krügen Wein ließen wir den Abend und fast schon den Alpencross ausklingen. Für die morgige Etappe mit 2.700 hm konnte sich nämlich keiner mehr so recht motivieren. Zum einen gewitterte es heftig und zum anderen steckten immerhin schon fast 400 km und über 11.000 hm in den Beinen und außerdem schmeckte der Wein recht gut. Daher beschlossen wir morgen auf möglichst direktem Weg zum Gardasee zu fahren.

6. Tag: Levico – Folgaria – Rovereto – Torbole

60 Km; 1300 Hm; 3 h 50 min.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein, den gestern Abend kaum einer erwartet hätte, legten wir los. Nachdem wir das Valsugana mit seinen Apfel- und Weinanbaugebieten hinter uns gelassen hatten fuhren wir eine abgelegene Teerstraße über St. Nicolo zum Passo della Fricca. Den auf dem anderen Berg verlaufenden Kaiserjägerweg, den wir eigentlich fahren wollten, konnten wir nur erahnen. Im Ort Carbonare fuhren wir weiter in Richtung Rovereto. Ab Folgaria hieß es ein letztes Mal – Windweste anziehen – weil eine Abfahrt über 1.200 hm hinunter nach Calliano ins Etschtal folgte.
Pünktlich um 12.00 Uhr trennten sich hier unsere Wege. Uwe fuhr auf dem Radweg nach Trento, wo er sich schon am Nachmittag mit dem Zug auf den Heimweg* machte. Robert und Chris fuhren über Rovereto weiter zum Lago und relaxten noch ein paar Tage.

*Hier noch ein Tipp von Uwe zur Heimfahrt vom Gardasee:
Man steige in Rovereto oder Trento in den Zug, der bis zum Brenner fährt, ein. Hier kann man auch das Bike mitnehmen, in den Zügen, die über die Grenzen fahren, geht das nicht.
Dort oben angekommen setze man sich auf sein Bike und rausche über die alte Brennerstraße nach Innsbruck.
Am Innsbrucker Bahnhof in den Zug nach Mittenwald einsteigen, der meistens bis München weiter fährt. In München in den Ingolstädter Zug umsteigen.
= 8 Stunden Fahrt, Kosten unter 50 Euro inkl. Bike.

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