O´kasn 2006 Straubinger Haus

Nachtragt O´Kasn vom 21.12.2006 R.Göricke

Liebe Freunde des Radsports,

nachdem sich keiner erbarmt hat, das Heurige O´kasn für die Nachwelt festzuhalten, habe ich mir den Radschuh angezogen, und versuche nun das Geschehen aus meinem Gedächtnis zu reproduzieren.

….es war einmal ein Radverein, aus dem Ingolstätter Norden, der veranstaltete jedes Jahr, zum Ende der Saison, eine Radtour in die Berge. Damit diese Tour auch mehr oder weniger „reibungslos“ (gell Schorsch !!!! – …erste Abfahrt !!!) verläuft, wird eine Kaution bei der Anmeldung hinterlegt, welche, bei nicht erscheinen, der Allgemeinheit zufällt. Für das „zu spät kommen“ gibt es eine Runde auf der Hütte. So weit zu den Eckdaten. Treffpunkt war wie jedes Jahr der Supermarkt Parkplatz in Wettstetten, um Punkt 6 Uhr.
Dieses Jahr hatten wir seltsamer Weise keinen, der aus der Reihe tanzte – eigentlich schade.
Alle standen pünktlich, Drahtesel bei Fuß am vereinbarten Treffpunkt und verstauten Ihr Marschgepäck. Dann ging es auch schon los. Hinauf auf die Autobahn Richtung Süden bis nach Blindau bei Reit im Winkl, wo unsere Tour begann.
Auf dem Parkplatz wurde noch die Brotzeit, in Form von Schweinshaxn und gegrillten Hendl mit einem Laib Brot verteilt, welche wir von unserem 2. Vorstand, dem Raffelwirt, auf den Weg mitbekommen haben. Leider konnte dieser nicht mit uns dabei sein. Unser Präsi nahm diese, persönlich um ca. 3.00 Uhr, im Bistro in Empfang.

Nachdem alles verstaut war, trennte sich nun die Spreu vom Weizen und die Radlerschar teilte sich in zwei Gruppen auf. Die einen blieben erst einmal im Tal und radelten von Blindau hinauf auf die Klausenbergalm, weiter zur Kreuzangeralm, bis sie das Ziel unserer heutigen Etappe, die Straubinger Hütte erreicht hatten. Dort verteidigten Sie erfolgreich unsere Übernachtungsplätze gegen die Bergwanderfreunde, die an diesem Wochenende ihr Jahrestreffen abhielten. (Ja, O´Kasn gibt es auch auf Schusters Rappen)

Die andere Gruppe stürzte sich Hals über Kopf in den steilen Anstieg hinauf zur Hindenburghütte.
Wir hatten ungefähr 100m zum Warmfahren, bevor der steile Anstieg los ging. Es ist eine dieser Strecken, bei jener der Bodenbelag noch aus Betonplatten besteht, wie sie zu Zeiten des 3. Reiches, zum Autobahnbau verwendet wurden. Dies hatte aber nur den einen Grund, dass Teer im Sommer weich wird und dann bei einer solchen Steigung ins Tal fließen würde. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, das dort eine Teermaschine noch fahren kann. Bei solch einer Wand wurde der Beton bestimmt mit einer Maurerkelle an die selbe geworfen. So weit ich mich richtig entsinne, waren es bei 2,9km ca. 500 hm. Kurz vor erreichen der Hindenburg Hütte, bogen wir schon wieder links zum Seegatterl ab, das wir auch ganz easy im Tal hätten erreichen können. Aber wer will das schon…..
Bei dieser Abfahrt hatte wir schon die ersten Konzentrationsfehler zu verzeichnen, die sich gnadenlos zu einem Sturz ausweiteten. Leider kann ich nur mit Augenzeugenberichten aufwarten, aber es muss spektakulär gewesen sein. Schuld war mangelnde Bodenhaftung, eines für den Raceeinsatz konstruierten Reifens namens Ralf, der dem Fahrstil unseres Probanden nicht entgegenkam. Außerdem begann es bereits zu „nasseln“ ( für unsere Ausländischen Leser : es begann leicht zu Regnen, der Boden wurde feucht….).
Gott sei Dank blieb der Sturz ohne größere Verletzungen, was dem fahrerischen Können unseres Kollegen zuzurechnen ist. Dieser hat schon in den Gründerjahren des Mountainbikesports seine Erfahrungen gesammelt, wie z.B. bei der Teilnahme am Downhill-World-Cup in Kaprun 1992 und 1993, allerdings aufgrund von Abflügen ohne Zielankunftszeiten. 1992 noch mit einem absoluten Starrbike (also auch ohne Federgabel)……
Bei der Auffahrt auf die Winkelmoos Alm wurde der Himmel über uns immer dunkler und nach der Brotzeit um ca. 11.00, bei der wir uns über die Flugente und den Laib Brot vom Raffelwirt hermachten, begann es richtig zu schütten. Wir suchten Zuflucht in einer einsamen Hütte, direkt auf der Winkelmoos Alm, in der wir ein paar Stunden ausharren konnten, bis das Unwetter vorüber war. Wir wärmten uns am Ofen mit Speckknödelsuppe ohne Knödel, mit Kinderschnitzel ohne Kinder und mit Apfelstrudel. Nachdem alle gegessen und getrunken hatten und der Regen immer noch nicht nachgelassen hatte, vertrieben wir uns die Zeit, immer im Wissen um das zeitige erreichen unseres Etappenziels, mit fachlichen Diskussionen zum Thema: Politik, Wirtschaft und mit Wetterprognosen.
Um unser Ziel noch rechtzeitig zu erreichen brachen wir nach gut 2 Stunden, ungeachtet des nachlassenden Regens, auf und folgten unserer Bestimmung, die Straubinger Hütte noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen.
Es ging weiter auf Schotterpisten Richtung Steinplatte, die wir aber links liegen ließen. Ein Stück ging es dann auf der Teerstraße bergab, dass ich recht langsam angehen ließ, da die Straße schon richtig nass war und ich kein Schutzblech dabei hatte. Mir war auch völlig unbekannt, wie lange es noch dauern würde, da meine frisch am PC ausgedruckte Karte, mit dem Regen, zu einem Aquarell mutierte. Zum Glück hatten die anderen auch noch ein Exemplar mit Hülle.
Zwischen zwei Häusern führte dann ein Weg bergauf Richtung Straubinger Haus. Am Anfang war der Weg noch gut fahrbar, aber mit zunehmenden Wanderern, wurde der Weg nicht mehr fahrbar. Es war fast wie ein Pilgerstrom nach Altötting. Wolken nahmen nun den Berg in Besitz. Ich konnte gerade noch den Weg vor meinen Füßen erkennen. Teilweise kamen uns schon wieder Wanderer entgegen, die sich auf den beschwerlichen Weg nach unten ins Tal machten. Diese berichteten uns von einer Hochebene, an deren Ende das Straubinger Haus stand. Auf diesem Flachstück konnten wir unser fahrerisches Können wieder unter Beweis stellen. Wir zirkelten vom Wind gepeitscht und vom Regen fast erschlagen, zwischen Kuhfladen und Rinnsalen hindurch auf unser Ziel hin.
Plötzlich an einem kurzen, technisch sehr schwierigen Anstieg, blieb Schorsch mit dem Vorderrad hängen und kippte, ohne sich abzustützen, wie ein Mehlsack zu Seite. Ich dachte jetzt ist es aus. Als ich aber zur Unglücksstelle kam und Schorsch meine erste Hilfe anbot, lehnte dieser dankend ab und versuchte nur seinen Schuh vom Rad zu bekommen. Er hatte nämlich eine Schraube seiner „Cleats“ an den Schuhen verloren und war deshalb nicht aus dem Pedal gekommen, da sich der Cleat mitgedreht hat. Kleine Ursache und eine große Wirkung. Zur Hütte war es dann nicht mehr weit. Endlich angekommen, die Drahtesel zugeschlossen und auf der Terrasse angebunden. Wie bei einem Western vorm Saloon.

So jetzt erst einmal das Quartier beziehen und warm Duschen. Anschließend bekamen wir vom Hausherren, der Straubinger Alpenvereinssektion, in Form seines Vorstands, der mir aber eher aus flacheren Gefilden schien, das Nebenzimmer zugeteilt, um ihre Feierlichkeiten nicht zu stören.
Das war uns auch lieber so – wir hatten einen anderen Humor als die. Sie schickten nur ab und zu die Musikanten herüber, um uns an deren Unkosten zu beteiligen.
Alles in allem war es ein „sauguter“ Abend, an dem wir nicht nur über das Radfahren sprachen.
Ich fand auch, dass diesmal der Leistungsunterschied der einzelnen Beteiligten nicht sehr groß war und es für alle eine sehr harmonische Tour war.
Wir gingen alle früh zu Bett um das Formel 1 Rennen in Suzuka nicht zu verpassen, das wir auch fast alle, am nächsten Morgen beim Frühstück ansahen. Da gesellte sich auch wieder das Wanderervolk zu uns, da in unserem Nebenzimmer der Fernseher stand.

Nach dem Frühstück vertraten sich noch einige die Füße, bevor es an die Abfahrt ins Tal ging. Es war ein sonniger aber frischer Morgen an dem wir uns ins Tal stürzten. Wir fuhren direkt zur Hindenburg Hütte, die wir am Vortag schon besuchten. Weiter auf der Route von gestern zu Abfahrt Richtung Seegatterl. Auf halben weg kehrten wir noch in der Nattersbergalm ein, wo wir uns noch für die anstrengende Heimreise stärkten. Im Biergarten rauften wir uns um die wenigen Sonnenplätze, welche die Umstehenden Bäume freigaben. Wir machten es uns bequem und bestellten schon unsere Mahlzeiten und Getränke, als wir bemerkten, dass zwei wackere Recken fehlten. Im Zeitalter der Kommunikation war es uns ein leichtes, die fehlenden Radler zu erreichen.
Nur leider waren sie schon lange an der Abzweigung zur Nattersbergalm vorbei geeilt und im Tal zum stehen gekommen. Nun mussten Sie frohen Mutes den Anstieg erneut auf sich nehmen um zu uns zu kommen. Mit langen, hungrigen Gesichtern stießen die beiden, eine halbe Stunde später, zu uns hinzu.
Wir ließen uns das Essen schmecken und machten uns anschließend auf den Weg ins Tal und fuhren von dort, am Radweg entlang, nach Blindau zu unseren Fahrzeugen.
Einige von uns ließen den Tag noch beim Raffelwirt ausklingen………

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