Ostalpencross von Kufstein nach Conegliano 2026

Mit Dirk Kaufmann, Martin Kozlik und Tobias Roth.

Gesamtfahrleistung: 443,3 Km und 14890 Hm.

Tradition verpflichtet:
Nachdem wir vor zwei Jahren die Westalpen unsicher gemacht haben, standen nun die Ostalpen ganz oben auf der Liste. Abseits der klassischen Routen führte unser Weg von Kufstein über die Tauern und die Dolomiten bis nach Conegliano.

Die Anreise war im Vergleich zu unseren Aktionen der letzten zwei Jahre ein Kinderspiel, die Rückreise war dagegen wieder einmal sehr lehrreich. 😊

Tag 1: Kufstein – Ochsalm 40,4 km und 1821 Hm
Dieses Jahr gestaltete sich die Terminplanung etwas schwieriger, weshalb wir ausnahmsweise an einem Montag pünktlich zum Berufsverkehr starteten. Anreise erfolgt wie gewohnt mit dem Zug in Ingolstadt. Planmäßig (!) ging es über München nach Kufstein, wo wir bei leichtem Regen auch sofort starteten. Wünsche nach Kaffee oder Ähnlichem wurden ignoriert, der Berg rief. ☹

Zunächst über kleine Waldwege, trafen wir dann auf den Radweg entlang der unter Skifahrern bekannten Bundesstraße 173 in Richtung Wilder Kaiser. Mit den ersten Höhenmetern im Sattel, bogen wir dann in Richtung Söll ab und nahmen den Salvenberg in Angriff. In Hochsöll angekommen, machten wir einen Bogen um die Hohe Salve (zum Glück) in Richtung Sonnberg. Auf den ersten Trails holte uns das Wetter leider wieder ein, sodass wir in Brixen im Thale schon einmal die Regensachen anziehen durften. In Kirchberg war es dann aber schon wieder gut und wir machten beim Rösswirt eine (Trocken-)  Pause. Frisch gestärkt ging es dann im Kitzbüheler Skigebiet hinauf zur Ochsalm, unserer Unterkunft für diese Nacht. Ankunft 15.30 Uhr, unglaublich für unsere Verhältnisse. Obwohl der Wirt eigentlich montags Ruhetag hat, ließ er es sich nicht nehmen, seinen Wassertrog für uns mit Bier zu füllen und uns ein reichhaltiges Brotzeitbrett zu servieren. Prost Mahlzeit. 

Tag 2: Ochsalm (Kitzbühel) – Neukirchen am Großvenediger 42,8 km und 1940 Hm
Gut gestärkt, bei leichter Bewölkung, ging es dann durch das stark bewirtschaftete Skigebiet, am Kitzbüheler Horn vorbei, 500 HM hoch zum Jufenkreuz. Nach einer langen Abfahrt, die uns gefühlt wieder vorbei an unserem Startort führte, ging es fortan auf dem Aschauer Höhenweg am „Großen Rettenstein“ vorbei zum Stangenjoch. Die letzten Meter dorthin mussten selbst Tobi schieben, aber das sollte auf dieser Tour noch öfters vorkommen. Von dort konnten wir erstmals einen ersten Blick auf den Großvenediger werfen. Während einer kleinen Abfahrt haben wir auch gleich die Gelegenheit zur Brotzeitpause genutzt, zum Glück (Motto: Besser den Spatz in der Hand als die Taube …). Denn nun ging es im Wettbewerb mit der einen oder anderen übergewichtigen E-Bikerin den Mühlberg hinauf ins Skigebiet Wildkogel. Auf den letzten Höhenmetern zur Wildkogel Haus, gab es dann auch noch ein Wettrennen mit ambitionierten Wanderern der Ü70-Klasse, dem sich Tobi und Martin aussetzten. Siegreich (aber nur knapp) oben angekommen, folgten wir dem Wildkogeltrail und anderen schönen, vergessenen Trails bergab ins Salzachtal.

Tag 3: Neukirchen am Großvenediger – St. Pöltner Hütte 42,8 km und 1940 Hm
Am Frühstückstisch lauschten wir diversen Krankengeschichten unserer Mitgäste und dem Koch! Um uns nicht anzustecken, schwangen wir uns schon fast fluchtartig auf die Radl, um unserem schon 20 Jahre alten Track zu folgen. Ja, in 20 Jahren verschwindet einiges und es entsteht auch Neues. Aber mit drei Navigationsgeräten sollte uns das noch nicht herausfordern. Entlang der Salzach ging es nun in Richtung Hohe Tauern. Während Dirk und Martin bereits den ersten Anstieg entlang der Felbertauernstraße in Angriff nahmen, vergnügte sich Tobi noch beim Wassertreten in Mittersill, holte uns aber in gewohnter Weise schnell wieder ein. Endlich weg von der Hauptverkehrsader, setzte etwas Regen ein, der richtige Zeitpunkt für eine Brotzeit am Hintersee, an der Jausenstation Gamsblick. Von hier aus führten drei Wege zur St. Pöltner Hütte. Von den Wanderwegen hat uns unser Gastgeber in Neukirchen dringend abgeraten, blieb also nur die Fahrstraße, die aber für Fahrräder gesperrt war. Alternativlos ging es jetzt auf selbiger ca. 1100 Hm bergauf. Unterwegs trieb das Wetter mit uns das Spiel „Regen an, Regen aus …“ Nach dem dritten Kleidungswechsel haben wir nicht mehr mitgespielt, was aber auch der folgenden Wettersituation entsprach. Am Ende der Fahrstraße folgten wir dem Track über eine Kuhweide ohne erkennbaren Weg. Ob es dort vor 20 Jahren einen gegeben hat? Zum Glück war es so neblig, dass uns dabei keiner beobachtet hat. Endlich wieder auf einem Weg, stellt dieser sich als einer der „Wander“- wege heraus. Fortan wanderten wir nun im Regen auf Wegen mit Level S2/S3 hinauf zur Hütte. Diese war zwar schon früh zu erkennen, aber der Wanderweg dorthin war doch sehr, sehr lang. Endlich angekommen, hat es uns gleich in den Trockenraum gezogen, den wir eigentlich nicht mehr verlassen wollten, so schön warm war es dort. Die Gastfreundschaft und das gute Essen und Trinken haben uns dann aber wieder herausgelockt.

Tag 4: St. Pöltner Hütte – Hochsteinhütte 69,8 km und 1850 Hm
Gut erholt – wir waren nur 5 Gäste auf der Hütte – starteten wir auf 2481 Meter bei etwas Bewölkung in den Tag. Von der Hütte ging es auf Geröll noch einige 100 Meter hinab, bis wir wieder eine Fahrstraße passierten. Mit phänomenalem Blick auf den Großvenediger und seinem Gletscher ging es hinab zum Südportal der Felbertauernstraße. Entlang des Tauernbachs folgten wir von Tobi eingebauten, kraft- und zeitintensiven Trails. Währenddessen auch ein kleiner Workshop, wenn auch ergebnislos, mit Geräuschanalyse an Martins Rad. Dem Lauf des Tauernbachs, der sich nun zur Isel umformiert hat, folgten wir nun nach Lienz. Bei einer Autowerkstatt borgten wir uns etwas Werkzeug, um wegen der Geräusche die Kassette von Martins Rad nachzuziehen. Das Wetter war mittlerweile prächtig, vielleicht schon etwas zu warm. Nach einem kleinen Eis ging es jetzt in der Nachmittagssonne auf einem knackigen Forstweg knapp 1400 Hm hinauf zur Hochsteinhütte. Oben angekommen wurden wir von einem lokalen Gravel-Holländer mit der Frage empfangen, warum wir nicht die Teerstraße hinaufgefahren sind. Die Frage, auf die wir keine Antwort hatten, ließen wir unbeantwortet und genossen stattdessen die Gastfreundschaft des Hüttenwirts. Nein, es war keine Hütte, sondern ein „Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit“. 😊 So viel Zeit muss sein. Der Wirt versorgte uns gleich. Tobi bekam einen selbstgebrannten Apfelschnaps, Dirk einen selbst hergestellten Ankia, um sich die Beine zu massieren, und Martin bekam ein Bier. Nach einem guten Abendessen und interessanten Gesprächen, endete der Tag mit einem wundervollen Panorama über das nächtliche Lienz und dem Blick auf die Karnischen Alpen.

Tag 5: Hochsteinhütte – Sillianer Hütte 52 km und 2180 Hm
Den Empfehlungen des Wirts und seinen Gästen folgend, fuhren wir nicht komplett hinunter in das Pustertal, sondern blieben auf halber Höhe auf der Pustertaler Höhenstraße. Diese zusätzlichen Höhenmeter wurden an einem sonnigen Tag mit einem tollen und andauernden Panorama belohnt. Zudem wurden wir vor der Benutzung des Radwegs flussaufwärts gewarnt. Angeblich sollen hier bis zu 6.000 Italiener tagtäglich unterwegs sein, dazu später mehr. Mit leichten Modifizierungen des bereits modifizierten Tracks näherten wir uns Sillian. Ca. 6km vor dem Ort verweigerte Martins Sattelstütze ihren Dienst. Tobi Mc. Gyver Roth organisierte und bastelte gleich ein Stück Holz als Behelfsstütze, um zu mindestens bis zum nächsten Radlgeschäft zu kommen. Nun, auf dem Radweg angekommen, haben wir das Drama gesehen. Heerscharen mit geliehenen Fahrrädern im Gegenverkehr – kein Spaß, insbesondere deren Fahrkünste. Im Radgeschäft angekommen, wurde die Sattelstütze unentgeltlich gefixt und es war dann auch schon wieder Mittag und der Bauch knurrte. Frisch gestärkt und ohne Einrollen ging es auch gleich wieder hinauf. Wieder 1400 Hm am Stück! Zwischendurch noch eine kurze Rast auf der Leckfeldalm, bevor Dirk und Martin, inzwischen wieder als Wandersleute unterwegs, die verbleibenden 400 Hm in Angriff nahmen, Tobias die Gams hat durchgezogen, unglaublich. Auf der Sillianer Hütte angekommen, folgten wir unserer Routine: Waschen, Essen, Trinken, Schlafen. 

Tag 6: Sillianer Hütte – Rifugio Croda da Lago – G. Palmieri 67 km und 1590Hm
Beim traumhaften Wetter am Beginn des Karnischen Höhenwegs (den wir nicht fuhren) starteten wir diesen Tag zunächst mit einem kleinen Aufstieg. Vor einer Traumkulisse auf die Dolomiten mit z. B. den 3 Zinnen fuhren wir bis zur Liftstation Stiergarten auf tollen Trails bergab. Als kleines Schmankerl startete dort der „Erla-Trail“, das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zunächst ziemlich unspektakulär, entwickelte er sich dann auf das S2-Niveau. Auf halber Strecke hat es dann Martin gewürfelt aber außer viel Staub und zwei, drei Kratzern ist nichts passiert, zum Glück. An der Talstation angekommen, wurden wir mit diversen Verbotsschildern konfrontiert. Zum Leidwesen der Anwohner, was sie uns auch zu spüren gegeben haben, mussten wir uns aber darüber hinwegsetzen, wir wollten ja weiter auf unseren Track. Auf einem zunehmend stark befahrenen Radweg ging es talwärts nach Toblach. An einem Samstag von Toblach nach Cortina d’Ampezzo zu fahren, war vielleicht nicht die beste Idee. Vorbei am Toblacher See, dem Dürrensee und dem 3-Zinnen-Blick, alle samt beliebte Ausflugsziele, waren wir schon ein wenig von den vielen E-Bikern genervt. Am Passo Cimabanche angekommen, haben wir uns für die Weiterfahrt nach Cortina d’Ampezzo und das, was noch kommt, gestärkt. Nach dem obligatorischen „Passfoto“ fuhren wir dann auf einer alten Bahntrasse durch Tunnel ins Tal, genau das Richtige nach dem Essen. Am Fuß unseres letzten Tagesanstiegs haben wir wegen der sich andeutenden Steigung nochmals den Track modifiziert, nur leider führte das nicht zu einem leichteren Anstieg, sondern nur zu einer Kurve mit Extrahöhenmetern. ☹

Um es vorwegzunehmen: die folgenden 800 Hm mit teilweise 25% Steigung waren kein Spaß! Talwärts waren sie für Radfahrer gesperrt, bergauf waren sie frei, vermutlich mit dem Wissen, dass es eh nur unsere Gams schafft, dort im Sattel zu bleiben. Oben auf der Hütte angekommen, hat Tobi sich im See vergnügt, Dirk und Martin waren eher den kulinarischen Dingen zugetan.

Tag 7: Rifugio Croda da Lago – Passo Duran 40,8 km und 1890 Hm
Von der Rifugio ging es nach einem Frühstück unter freiem Himmel zunächst auf einem Wanderpfad 200 Hm über den Forcella Ambrizola halb um den Becco di Mezzodi, teilweise fahrbar und teilweise naja, aber an einem solch schönen Tag (noch) kein Problem. Dass heute Sonntag war, bekamen wir rasch mit – die Wanderwege und Passstraßen füllten sich zunehmend. Weg von der Zivilisation waren sie wieder da, die 20–25 % Betonrampen, das ging ja schon wieder gut los. Per Gemeinschaftsbeschluss haben wir dann auf die Abfahrt zum Lago di Alleghe verzichtet, wäre eh nur runter und die gleiche Strecke wieder hoch gewesen. Wie das so im Skigebiet ist, gibt es auch Skipisten, die man theoretisch rauffahren könnte. Aber es waren wieder diese 20–25 % Betondinger und die Sonne von oben, das ging nur stellenweise. Da wir am Vorabend etwas an den Tracks gespielt hatten, gab es nun zwei Abfahrten. Tobi in die eine und Dirk und Martin auf dem Trail in die andere Richtung, wir trafen uns dann in Pecol mit seinen extravaganten Holzhäusern wieder. Nach einem guten Essen sollte es eigentlich wieder eine Skipiste hinaufgehen, leider war sie aber wegen Bauarbeiten gesperrt. Als Alternative wählten wir den Alles-fahrbar-Trail. Okay, für die ersten 30 Meter stimmte das auch, für die restlichen 30 Minuten hinauf auf den Colle della Grava bedauerlicherweise nicht, das war nochmals Schieben/Tragen vom Feinsten. Auf dem weiteren Weg, nun wieder nach unten, trafen wir den einen oder anderen Hüttenhund. Wir hätten vielleicht doch die Verhaltensregeln für derartige Treffen ausführlicher lesen sollen, ging aber zum Glück gut aus. Anschließend kurbelten wir dem Tagesziel, dem Pass Duran, auf Teer hinauf. Den Track in diesem Bereich hatten wir mittlerweile ausgeklammert. Angekommen in unserer Unterkunft fühlten wir uns wie bei einem Erstbezug, alles neu und sehr sporadisch, bis auf der Preis.

 

Tag 8: Rifugio Passo Duran – Conegliano 87,7 km und 1680 Hm
In der Nacht hatte es geregnet, die letzten Wolken hingen noch in den Bergen, zum Glück war es heute etwas kühler. Um ohne zusätzliche Höhenmeter wieder auf den Track zu kommen, fuhren wir zunächst den Pass etwas hinunter, wobei sich die Suche nach dem Einsprungpunkt etwas schwierig gestaltete. Wieder auf dem Track sorgt der nächste Anstieg nahe Argodo für Diskussionen zum weiteren Verlauf des Tracks. Nachdem der Weg aufwärts zum S2 mutierte und Tobi den ersten Platten der Tour hatte, haben wir uns auf eine Änderung zur Komoot-Garveltour für die letzte Etappe geeinigt. Hin und wieder ertappten wir uns zwar dabei, den neuen Track doch wieder zu verlassen, aber wir sind schnell wieder zurückgekommen. Dem Fluss Cordevole folgend überquerten wir die Piave und stärkten uns in San Felice vor dem letzten Anstieg. Die Graveltour führte uns über schöne Nebenstraßen bis ca. 150 hm unter dem Gipfel (Le Crosere). Nun ging es wieder auf alten römischen Eselswegen mit ordentlicher Steigung hinauf. Offensichtlich haben die Gravelbiker in Italien andere Übersetzungen an ihren Bikes. Endlich geschafft, ging es hinab zum Lago di Lago, an dem Tobi baden wollte. Leider war der größte Teil des Sees privatisiert oder kommerzialisiert, Baden war da nicht möglich. Wenige Meter weiter, in Tarzo, folgen wir dem Ruf des Gelato und kühler Getränke und verweilten eine ganze Zeit in der Gelateria. Erholt ging es anschließend 10km talwärts bis nach Conegliano, unserem Zielort, von dem wir am nächsten Tag wieder heimfuhren.   

Resümee der Tour:
Eine tolle Tour abseits der klassischen Zum-Gardasee-Routen, wieder mit vielen tollen Erlebnissen und Eindrücken. Bei der nächsten Tour-Planung werden wir aber genauer darauf achten, Trage-/Schiebepassagen zu minimieren. Derartige Unterfangen überlassen wir gern Herrn Heckmair und seinen Jüngern.

Dass wir als Biobiker immer mehr zu Exoten werden (es gab Leute, die mit Hochachtung sagten, das, was wir machen, sei pervers), stört nicht weiter. Allerdings bewegen sich immer mehr vornehmlich E-Biker mit teils schlechten Manieren im Hochgebirge, was dem Ruf aller Biker schadet und dazu führt, dass Wege gesperrt werden – eine bedenkliche Entwicklung.

Servus Tobi, Martin und Dirk