Alpencross Grainau – Comer See (Colico) 25.08. – 01.09.2018

Am Start: Stefan und Edi mit ulp-tours und 9 anderen Teilnehmern plus Gide Lutz

Gesamtfahrleistung: 410 Km und 10000 Hm.

Mein erster Cross mit dem MTB! Anfang letzten Jahres erzählte mir Stefan er möchte mal einen Cross an den Comer See machen. Da ich ein solches Event bisher nur vom Hörensagen kannte, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopfe und gab meine Zusage für ein gemeinsames Abenteuer. Schon im November 2017 haben wir uns angemeldet um uns den super Frühbucherrabatt 1.179 € (Halbpension) zu sichern. Ein leicht flaues Gefühl macht sich im Magen breit. Sich so früh schon festzulegen. In meinem Alter. Ich verdrängte die schlechten Gedanken an die diversen Baustellen, die sich auf gut 180 cm verteilten. Wird schon gutgehen!

Nach diversen, gemeinsamen Trainingsfahrten – die am Sonntag um 7:00 Uhr waren immer besonders schön 😉 -war es dann am 25.08.18 endlich so weit. Bei strömenden Regen und der Vorhersage eines Wetterumschwungs mit Schneefall in den Bergen, fuhren wir mit dem Auto nach Grainau. Gaaaanz toll, nach einem Bilderbuch Sommer, der seit April andauerte.

Treffen und Kennenlernen lautete der TOP für heute. Tatsächlich, die Tour ist ausgebucht. 12 Teilnehmer. 13 – 60 Jahre, 11 Männlein, eine Frau. 4 x Sauerland, 3 x Wiesbaden, 1 x Frankfurt unser Guide Lutz mit Sohn Paul (Jüngster aber schon auf dem 3. Cross unterwegs, Respekt) und wir zwei. Kleine Vorstellungsrunde, erste Einschätzungen. Nachträgliche Feststellung: Bei manchen Teilnehmern wirkt sich der Bierkonsum offensichtlich leistungssteigernd aus, ein mir unergründliches Phänomen 😉!

Tag 1:

Nach einer durchwachsenen Nacht – aber einer Wetterbesserung – geht es pünktlich kurz vor 9 Uhr los. Das Highlight der heutigen Tour: Kaiserschmarrn nach dem Kurbelanstieg zum Marienbergjoch 1789 m in der urigen Sunnalm. Und ein kleiner Sturz meinerseits, mit dem Verlust des Tachos. Ab jetzt ist mir völlig losgelöstes Fahren möglich. Am Ende der Tour in Imst stelle ich zufrieden fest, homogene Truppe und die Jugend ist beim Abfahren einfach unschlagbar. Irgendwie fühle ich mich mit meiner alten Möhre – vor allem wenn er runter geht – etwas im Hintertreffen.

Tag 2:

Heute lautet die Devise von Lutz: möglichst schnell nach Ischgl. Warum wird mir später am Nachmittag noch klar werden. Pillerhöhe und diverse andere Hügel gestrichen. Die Zeit drängt. Kurz nach Landeck wird es Stefan scheinbar zu heiß. Er findet im Bach unfreiwillig etwas Abkühlung. Glücklicherweise kann er mit ein paar Schrammen und Pflastern weiter. In Ischgl angekommen geht es sofort zur Silvrettabahn. Mit der Gondel geht es auf 2250 m. Das ist zwar schon schwindelerregend aber noch nicht das Ende. Umstieg in den Sessel – das Rad hängt außen an der Seite – und dann sind wir am Flim Joch auf sagenhaften 2757 m. Zwar etwas verschandelt durch Bagger und Lastwagen … aber die bauen ja auch die Trails für die MTB’ler. Von den Liftstationen die sich hier auf jeder noch so hohen Kuppe finden ganz zu schweigen. Aber wir denken nicht lange nach, denn wir brauchen volle Konzentration für eine berauschende Abfahrt von 1400 hm am Stück nach Ischgl. Wahnsinn! In Ischgl treffen sich ja die Schönen und Reichen und da versteht es sich von selbst, dass man im Hotel auch einige Annehmlichkeiten nutzen kann. Im engen Zeitplan finde ich für Sauna und Whirlpool noch ein Plätzchen.

Tag 3.

Wenn die Seilbahn schon mal da ist, dann nehmen wir die doch gleich noch mal um ganz gemütlich wieder auf 2757 m zu kommen. Schließlich geht es dann noch zur Greitspitz der Höhepunkt (höhenmäßig) mit 2872 m. Aber noch Ischgler Skigebiet und deshalb noch mit Liftstationen vollgebaut. Fragwürdig! So aber jetzt geht es in einsamere Gefilde: Richtung Schweiz. Mittagspause auf der Terasse der Heidelberger Hütte. Anschließend das längste Tragestück -400 hm – rauf zum Fimba Pass 2608 m. Kein Baum mehr zu sehen, grenzenlose Bergwelt. Arnold zeigt mir eine interessante Tragetechnik – Rad auf den Rücken – so kann man ein bisschen abwechseln und die 400 hm sind im Nu bewältigt. Jetzt geht es hinunter in eine andere Welt – die Schweiz – echt imposant ich bin von der Landschaft, der Ruhe und der Idylle schwer von den Socken. Murmeltiere, Kühe Almen, Berge – alles wie aus dem Prospekt. Wow! Und dann kommt das Griosch, jetzt sind wir vollkommen im Heidiland und der Alpöhi heißt hier Chasper, der uns auf der Wiese feinsten Rüblikuchen kredenzt. Frisch gebacken nicht von der Heidi, sondern von seiner Doris. Beide bewirtschaften hier die Alm ganzjährig. Sehr familiär, echt gemütlich. Aber wir müssen weiter. Trails und weitere Abenteuer waten. Unsere Unterkunft in Scoul erweist sich ebenfalls als echt urig. Ein altes Bauernhaus mit schönem Garten in dem der Chef selbst grillt. Voll gemütlich, die Temperaturen passen, wir sind barfuß, die Zehen dürfen auslüften. Da verschmerzt man schon mal, dass wir zu 10. ein Bad mit Toilette teilen. Da kommt es auf die Planung am Morgen an. Es haut hin, wir kommen pünktlich los.

Tag 4

Heute wird es echt hart. 2400 hm stehen an. Wir werden von Lutz motiviert: „Livigno ist unser Ziel. Das wird echt italienisch Leute. Wir werden an einer super leckeren Eisdiele vorbeikommen, dann im Zentrum das Treiben bei einem Aperol beobachten und genießen. Und im Hotel gibt es echt lecker italienisches Essen“. Auch Wein, Wasser und Espressi gibt es zu tollen Preisen, dafür liebe ich die Italiener, echt fair.

Aber jetzt kommt erst mal der Start und davor noch mal ein kräftiger Schluck aus dem Mineralbrunnen direkt vor dem Haus, köstlich, erfrischend. Sogar 2 Sorten mit und ohne Sprudel. Echt lecker. Die Schweiz halt. Ein langer Anstieg folgt, irgendwann schaltest du ab, strampelst vor dich hin und versuchst die Landschaft zu genießen. Kein Problem wir sind ja in der Schweiz. Nach diversen Höhen, Pausen und Abfahrten rückt der Livigno See in den Blick. Malerisch schöne Farben. Mit letzter Kraft nehmen wir den finalen Anstieg, man kann ja zwischendurch auch mal schieben. Und dann kommt‘s wir rollen in Livigno ein. Wir sind wieder in einer anderen Welt: Italien, Musik, Trubel und Heiterkeit, chic gekleidete Italiener und natürlich Italienerinnen Beim Aperol realisiert man schön langsam, dass man was ganz Besonderes für sich geschafft hat – ich schwebe auf Wolke 7.

Tag 5

Livigno liegt im Tal wir kurbeln also wieder rauf. Ganz langsam. Der Magen ist vom Frühstück noch prall gefüllt und mag noch keine extremen Anstrengungen. Die Downhiller unter uns können nicht widerstehen, der Bikepark mottolino ist zu verlockend. Und mit der Seilbahn ist man ja schnell wieder bei den Pausierenden und Kraftschöpfenden.

Das mit dem Essen auf so einem Cross ist für mich ja schon interessant. Bereits am frühen Morgen beginnt das Knurren im Magen. Ich bin ständig am Kalorien nachschieben, in ungekannten Mengen! Das will was heißen. Der Magen signalisiert ständige Aufnahmebereitschaft. Da kommt das Pizzocckeri auf dem Forcola di Livigno (2315) gerade recht. Es soll ja weiter bergauf gehen. Schwierig ist für mich die richtige Dosierung von Magnesium. Nach 4 Tagen reicht es mir, ich habe die Nase gestrichen voll und warte lieber auf einen Krampf, der aber nicht kommt. Na also, passt doch. Nach dem Forcola geht es wieder ins Bilderbuchland Schweiz. Jetzt wird es ganz krass die 4.000er schieben sich ins Bild (Bernina). Atemberaubend. Und die Abfahrt erst. Wieder mal ein Trail. Der verträglichste, flowigste für meine Möhre, die bis jetzt alle Strapazen mühelos geschluckt hat. Respekt! Dann rollen wir durch St. Moritz – hat man so was protziges schon mal gesehen? Lutz kennt keine Gnade: Mund wieder zumachen und weiter geht’s zum Etappenort Sils Maria. Auch sehr pittoresk und das Hotel sehr fein, passt irgendwie nicht zu uns Bikern … wir genießen es trotzdem. Tolles Bett mit einer der Jahreszeit angepassten Zudecke. Himmlisch.

  1. und letzter Tag.

Regen! Starker Regen, Dauerregen. Heute ist genau der richtige Tag für meine – seit 2 Jahren ungenutzte – Regenjacke, samt Regenhöschen. Eine harte Bewährungsprobe scheint anzustehen. Wir fahren etwas alternierend zum Maloja Pass und genehmigen uns vorab einen Blick nach unten. Wahnsinnige Kehren warten auf uns. Wir vernichten 1500 hm auf eine Strecke von 33 km. Unfassbar, der Regen stört kaum. Der Umstieg auf ein Surfboard kommt mit in den Sinn. Die Jacke hält und wir als bekennende Weicheier haben natürlich die Schutzbleche angesteckt. Die Zehen sind irgendwann nass aber bei mittlerweile 18 Grad in Chiavenna ist das kein Problem. Jetzt erst mal Kaffee und ein Croissant, wir sind ja wieder in Italien – und weiter soll es gehen direkt zum Comer See unserem finalen Ziel. Unten am See, kein Regen mehr, warm. Diskussion: wer will jetzt noch 600 hm rauf und eine tolle Aussicht und einen alten Tunnel mit Galerie sehen und natürlich durchfahren? Nur Einer. Weitere Diskussion, es werden mehr Willige. Am Schluss nur noch ein Verweigerer, der sich aber der willigen Mehrheit beugt. Am Ende hat er es nicht bereut!. Noch mal ein einmaliges Erlebnis das nur ganz kurz vor dem Ende von einem Imposanten Steinschlag – der zwischen Stefan und mir – mit lautem Getöse abgeht – abrupt beendet wird. Aber wir haben ja noch 600 hm zu vernichten. Auf einer Genussabfahrt mit dem Comer See vor Augen. Dann sind wir da, erschöpft aber auch glücklich, stolz und voll mit Adrenalin, das uns durch die nächsten Tage noch etwas schweben lässt.

Rückfahrt

Nach einem echt italienischen Abschlussessen geht es am nächsten Tag mit dem Shuttle zurück. Interessanterweise über den Maloja, man schaut sich bei Schmuddelwetter – schön im trockenen sitzend – noch mal imposante Teile der zurückgelegten Strecke an. Es kommt der Gedanke auf, echt weit sind wir da gefahren. Atemberaubend war’s! Stefan und ich freuen uns riesig über das vollbarachte und ganz besonders freuen wir uns auf das eigene Bett! Eine grandiose Tour! Merci für’s mitnehmen Stefan!!!

 

Vielen Dank auch an unsere Fotografen Lutz und Andreas für die geilen Bilder. Merci!!!